Arbeit, Organisation, Gesundheit

Inhalte

In den Gegenwartsgesellschaften ist Erwerbsarbeit für die gesellschaftliche Teilhabe, insbesondere den Status, das Einkommen und die Anerkennung der Gesellschaftsmitglieder von zentraler Bedeutung. Die Zunahme atypischer und auch prekärer Beschäftigung, das Verschwimmen der Grenzen zwischen Arbeit und Nicht-Arbeit oder die vielfachen neuen Anforderungen an die Beschäftigten zeugen von einem tiefgreifenden Umbruch dieser Erwerbsarbeit. Als Hauptursachen dafür können die ökonomische und gesellschaftliche Globalisierung, die Bildungsexpansion, neoliberale politische Einflüsse und der forcierte Einsatz neuer Informations- und Kommunikationstechnologien genannt werden.

Die Arbeitsforschung untersucht Erwerbsarbeit in ihren besonderen historisch-gesellschaftlichen Bedingungen und insbesondere den Wandel von Arbeitsformen und Arbeitsbeziehungen, die Arbeitsbelastungen und Gesundheitsfolgen, die Anerkennungsverhältnisse und die subjektiven Bezüge zur Arbeit. Das Geschlechterverhältnis findet dabei insbesondere in Form der vergeschlechtlichten Arbeitsteilung, der doppelten Vergesellschaftung von Frauen und der Verteilung von bezahlter Erwerbsarbeit und unbezahlter Haus- und Sorgearbeit auf Männer und Frauen Berücksichtigung. Analysen des Arbeitsmarktes befassen sich zudem theoretisch und empirisch mit segmentierten Arbeitsmärkten, Arbeitslosigkeit, Flexibilisierung, Risikogruppen, Segregation nach Geschlecht sowie Berufs- und Karriereverläufen von Männern und Frauen.

Besondere Schwerpunkte der Arbeitsforschung und der Lehre auf diesem Gebiet sind am Institut die Veränderungen in den öffentlichen Dienstleistungen, transnationale Prozesse der Wertschöpfung und Versorgung, die Rolle des Internet für eine Neugestaltung der Arbeit, die Arbeitszeit in ihrer überbetriebliche Regulierung und betrieblichen Gestaltung, aktuelle Umstrukturierungsprozesse in Industrie- und Dienstleistungsunternehmen, der Beitrag von Auslagerungen und Subauftragsvergaben zur Prekarisierung der Arbeit, die Entwicklung der Erwerbarbeit im internationalen Vergleich und die Wechselwirkung zwischen sozialen Milieus und beruflichen Identitäten.  

Erwerbsarbeit findet in der Regel in Organisationen statt, wie generell für Menschen in modernen Gesellschaften Organisationen ein unausweichlicher Bestandteil ihres Daseins – von der Geburtsklinik bis zur Bestattung – sind. Für die Planung und zweckmäßige Durchführung von Aktivitäten sind in unserer Gesellschaft Organisationen ganz zentral, weshalb bisweilen auch von einer „Organisationsgesellschaft“ die Rede ist. Es ist daher aus soziologischer Perspektive naheliegend, sich mit Organisationen und dem Phänomen des Organisierens sowohl theoretisch als auch empirisch zu befassen. Dabei geht es sowohl um den internen Organisationswandel als auch um die Vernetzung von Organisationen bzw. Betrieben auf der regionalen, der europäischen und der globalen Ebene. Organisationsanalysen werden in so unterschiedlichen Einheiten wie privatwirtschaftlichen Unternehmen, Einrichtungen der öffentlichen Verwaltung, Krankenhäusern oder Bildungseinrichtungen durchgeführt.

Die Organisationssoziologie befasst sich unter anderem mit folgenden Fragen: Wie entstehen, verändern sich und verschwinden Organisationen? Wie gestalten sich die Beziehungen von Organisationen zu ihrer jeweiligen Umwelt? Inwiefern und wie schaffen es Organisationen, sich zu stabilisieren und zu erhalten? Was sind die bestimmenden Elemente, die die Funktionsweise von Organisationen verständlich machen? In welchem Verhältnis stehen Organisationen zu ihren Mitgliedern? Von Seiten der Forschung werden am Institut zurzeit vor allem die organisationalen Prozesse in Familienunternehmen und die Entwicklung einer prozessorientierten Organisationstheorie in die Lehre eingebracht

Ziele

In der Forschungsspezialisierung "Arbeit, Organisation und Gesundheit" haben Studierende die Möglichkeit, sich umfassendes Basis- und Spezialwissen über die breiten Themenfelder der Arbeits- und der Organisationssoziologie anzueignen, eigenständig zu arbeiten, kreative Ideen zu entwickeln und eine breite Palette an Forschungsmethoden auszuprobieren. Sie erhalten Einblick in laufende Forschungsprojekte und beschäftigen sich mit aktuellen Fragestellungen. Masterstudierende haben die Möglichkeit, in diesen Themenbereichen Abschlussarbeiten zu verfassen. Nach Möglichkeit werden Masterarbeiten in Forschungsprojekte am Institut eingebunden.

Im Einzelnen bietet die Forschungsspezialisierung:

  • Vorlesungen zur Arbeitssoziologie und zur Organisationssoziologie
  • Seminare (bzw. integrierte Lehrveranstaltungen) zu ausgewählten inhaltlichen Schwerpunktsetzungen sowie zur Vertiefung der Methodenkenntnisse
  • Seminar zur international vergleichenden Forschung
  • Betreuung von Masterarbeiten

Basisliteratur

Edwards, Richard, Herrschaft im modernen Produktionsprozess, Frankfurt: Campus, 1981.

Flecker, Jörg, Arbeit. In: Flicker, Eva; Forster, Rudolf (Hrsg.): Forschungs- und Anwendungsbereiche der Soziologie, Wien: Facultas, 2013, S. 46 – 61

Flecker, Jörg (Hg.), Arbeit in Ketten und Netzen. Die dynamischer Vernetzung von Unternehmen und die Qualität der Arbeit, Berlin: edition sigma, 2012.

Froschauer, Ulrike, Organisationen. In: Flicker, Eva; Forster, Rudolf (Hrsg.): Forschungs- und Anwendungsbereiche der Soziologie, Wien: Facultas, 2013, S.203 – 218

Froschauer, Ulrike, Organisationen in Bewegung. Beiträge zur interpretativen Organisationsanalyse, Wien: Facultas, 2012.

Luhmann, Niklas, Funktionen und Folgen formaler Organisation, Berlin: Dunckler&Humblot, 1976 (1964).

March, James, G., Simon, Herbert A., Organizations, Oxford: Blackwell, 1993 (1958)

Marx, Karl, Das Kapital, Kritik der politischen Ökonomie, Erster Band, Wien: Globus Verlag, 1962 (1890).

Mayntz, Renate, Soziologie der Organisation, Reinbek: Rowohlt, 1972 (1963).

Minssen, Heiner, Arbeits- und Industriesoziologie. Eine Einführung, Frankfurt/New York: Campus, 2006.

Thompson, Paul, The Nature of Work. An Introduction to Debates on the Labour Process, Basingstoke/London: Palgrave-MacMillan, 1983.

Weber, Max, Wirtschaft und Gesellschaft. Grundriß der verstehenden Soziologie, Tübingen: Morh 1972 (1922).